600 Jahre Geschichte in ein paar Stunden

Als Symbol für ihre "vryheit" (Freiheit) setzten die Patrizier anno 1404 ein kraftvolles Zeichen ihrer Macht, indem sie den Roland, das weltliche Wahrzeichen Bremens, auf dem Marktplatz errichteten. Als Symbol der Leistungsbereitschaft und des Durchhaltevermögens ist der 1. swb-Marathon Bremen ein ebensolches Zeichen für die Entwicklungsbereitschaft in der Region heute. Jeder noch so lange Weg beginnt immer mit dem ersten Schritt, in diesem Fall mit der Investition in eine „gute Sache“. Marathon erlebt einen beispiellosen Boom, das Laufen hat sich zu einer der beliebtesten Sportarten überhaupt entwickelt - einmal die 42 Kilometer laufen, ist mittlerweile auch in die "Top-Five" der am häufigsten genannten Lebensziele aufgestiegen. Die Chance, dieses Ziel zu erreichen, sollen auch die Bremer Läufer erhalten und zwar in Ihrer Stadt - mit Ihrem eigenen City-Marathon. Am 25.09.2005 soll es so weit sein. Der Zieleinlauf im AWD Dome Bremen wartet auf die Läufer. Die Stadt hat alles geboten: Ihre Sehenswürdigkeiten, die Unterstützung der Zuschauer an der Strecke und bestes Marathon-Klima.  
Das soll nicht nur den Beteiligten Spass machen, sondern auch der Region zugute kommen. Die Überschüsse aus dem Laufspektakel mit Kulinarischem Dorf, 2000qm Kinderunterhaltungsparadies und Sportlermesse werden zur Förderung des Behinderten-Sports in der Region Bremen verwendet. Auch die Läufer sollen etwas davon haben, neben den Siegerprämien und Sachpreisen in den Altersklassen, erhalten die schnellste Bremerin und der schnellste Bremer 4.219,50€ für ihre Leistungen. Allerdings stehen nicht die Preise, sondern das „Drumherum“ im Vordergrund. Der Lauf soll so angenehm wie möglich sein, so ist die gesamte Planung auf die besonderen Bedürfnisse eines Marathonis ausgerichtet. Von der Nudelparty über den Frühstückslauf bis zur Dusche ist alles angenehm durchorganisiert, und was beim ersten Lauf noch nicht perfekt ist, wird zum nächsten Jahr verbessert. Grundlage des Konzeptes ist eine 5 Jahresplanung. Für die „Nicht-Läufer“, den Tross, ist ebenso gesorgt, damit die Zeit bis zum Zieleinlauf nicht zu lang wird, gibt es an verschiedenen Stellen ein buntes Rahmenprogramm. Alle Beteiligten geben ihr Bestes, damit der 1. swb-Marathon Bremen wieder zu dem wird, was er vor 13 Jahren noch war: Einer der beliebtesten Marathon-Läufe in der Region mit bis zu 10.000 begeisterten Läufern.


Es ging viel, und gelaufen wurde auch
Der 3. swb-Marathon trotzt Regen und Kälte

Man musste in den vergangenen Tagen befürchten, dass der 3. swb-Marathon unter einer Wolkendecke verschwindet oder gar im Dauerregen versinkt. Tatsächlich ließ sich die Sonne selten blicken am heutigen Morgen, und das ein oder andere Nieselschauer gab es auch. Aber Schaden nahm die Veranstaltung nicht. Stellvertretend für die rund 4000 Läufer auf der Strecke meinte Marathon-Sieger Rolf Schwabe (VfB Fallersleben): „Das Bremer Publikum war klasse, ich würde gern wiederkommen, nachdem ich so spitze unterstützt wurde.“ Es waren nicht die 40000 tausend Zuschauer an der Strecke wie in den Vorjahren, knapp 25000 dürften es jedoch gewesen sein. Wer an die Strecke gekommen war, sorgte für eine einmalige Stimmung auf den Bremer Straßen. Das Wetter spielte angesichts dieser Szenerie allenfalls eine Nebenrolle. Nicht zuletzt die elf an der Strecke platzierten DJs kamen gut an bei Läufern und Zuschauern.

Am Morgen hatte Organisationsleiter Utz Bertschy noch sehr zufrieden auf die Anmeldezahlen geblickt: „Wir haben eine deutliche Steigerung zu verzeichnen.“ Aus den rund 3800 Anmeldungen des Vorjahres wurden 4600. Dass am Ende doch nur rund 4000 Läufer auf die drei Strecken gingen, erklärt Bertschy mit einer natürlichen Ausfallquote: „15 Prozent Nichtantritte sind normal für eine Veranstaltung dieser Größe.“ Rolf Schwabe war dabei, und er gewann letztlich souverän in 2:34:05 std. vor Martin Butzlaff (VLG Magdeburg, 2:37:25 std.) und dem Bremer Rainer Koschke (Triathlöwen, 2:37:31 std.). Bei den Frauen machte Inga Ruhl (TSV Kirchdorf) in starken 2:48:03 das Rennen vor Dorothea Grupp (Team Leosport, 2:53:13 std.).

Auf der Halbmarathonstrecke war Marcus Pingpank (TSV Kirchdorf, 1:10:21 std.) nicht von Bennet Pankow (TSG Bergedorf, 1:10:53 std.) zu schlagen, während die Frauen in Carolin Schiff (Road Runners Bremen, 1:28:16 std.) ebenfalls eine souveräne Siegerin stellten. Die 10-Kilometer standen schließlich ganz im Zeichen der Bremer Athleten: Hier lag Stephan Immenga (Uni Bremen, 31:56 min.) bei den Männern vor Marek Jaskolka (SG Findorff, 32:28 min.), während Rebecca Weise-Jung (LGN, 39:17 min.) das Rennen der Frauen vor der Bremer Sportlerin des Jahres, Jonna Tilgner (BLT, 40:43 min.), machte.

„Wir bemerken – trotz des sehr bescheidenen Wetters am heutigen Tage – dass der swb-Marathon immer mehr zu einem Teil dieser Stadt wird“, zog Utz Bertschy also ein positives Fazit. Doch ganz ohne Stress blieb auch die dritte Ausgabe der Veranstaltung nicht: Rund 100 PKW mussten in der Nacht zum Sonntag abgeschleppt werden, da sie im Halteverbot auf der Strecke standen. Und dann war da noch die Sache mit der Kleiderbeutelausgabe. Weil sich dort längere Wartezeiten ergaben, musste sogar der Start des Halbmarathons um zehn Minuten verschoben werden. Der Grund war ein personeller Engpass, der sich unvermutet am frühen Sonntag Morgen eingestellt hatte. Herwig Renkwitz, sportlicher Leiter: „Das ärgert mich sehr. Aber leider wurden wir von einer Berufschulklasse hängen gelassen, die geschlossen nicht zum Helferdienst angetreten war. So fehlten uns 15 Kräfte.“


Das war der swb-Marathon 2006

Plakate gab es viele beim swb-Marathon in Bremen. Eines ragte ein wenig heraus: "Lauf schneller, Mama, wir haben Hunger." Diese nett gemeinte und ein wenig eigennützige Aufforderung stand allerdings exemplarisch für die zweite Auflage dieser Veranstaltung. Es waren nämlich die vielen kleinen Randgeschichten, die den swb-Marathon erneut zu einem Erlebnis machten – für die Läufer und die vielen Zuschauer. Wie im vergangenen Jahr hatten rund 40000 Menschen den Weg an die Strecke durch Bremen gefunden. Sie unterstützten das Feld nach Kräften, ganz gleich, ob nun ein Halbmarathoni, ein 10-Kilometerläufer oder ein Starter auf der 42,195 Kilometerstrecke unterwegs war. Am Ende, im Ziel des AWD-Domes, zählten deshalb alle der etwa 4500 Teilnehmer zu den Siegern. Weil sie gute Leistung erzielt hatten, das Wetter mal wieder mitspielte und die Veranstaltung bis auf die üblichen Kleinigkeiten reibungslos über die Bühne ging.

Als absolut schnellster wurde allerdings Jarek Cichocki (2:22:56 std.) aus Polen vermerkt. Der Gewinner war gemeinsam mit seinem Landsmann und Vorjahressieger Marek Dryja an den Start gegangen, und hatte das Feld schnell hinter sich gelassen. Bis zu Kilometer 20 lagen die beiden gleichauf, dann musste Dryja verletzungsbedingt kürzer treten und schließlich aussteigen. Mit großen Vorsprung siegte Cichocki vor Joaquim Pedro (LG Bremen Nord, 2:38:53 std.) und Jens Stepan (TuS Huchting, 2:39:42 std.). Bei den Frauen gewann Angela Welp (LC Hansa Stuhr, 3:14:28 std.) vor Frauke Fichtner (LG Verden, 3:15:48) und Tina Versemann (TV Sottrum, 3:16:27 std.) Rund zehn Minuten später kam die erste Bremerin ins Ziel: Ulrike Morr (SG Roadrunners-Buntentor) sicherte sich damit ebenso den Landesmeistertitel im Marathon wie Joaquim Pedro bei den Männern. Darüber hinaus gewinnen die beiden eine Jahresmitgliedschaft in der OASE im Weserpark.

Auf der Halbmarathonsstrecke trug Willi Lemke die Nummer 1, der erste Läufer am Sonntag im AWD-Dome war aber ein anderer: Roland Soltész aus Ungarn, vom SC Misi, gewann den erstmalig im Rahmen des swb-Marathons ausgetragenen Halbmarathon-Lauf. Seine Zeit über die 21,1 Kilometer: ausgezeichnete 1:12:24 Stunden. Nur knapp zwei Minuten dahinter, nach 1:14:18 Stunden, überquerte Horst Wittmershaus vom SC Weyhe die Ziellinie. Jens-Uwe Krage (LG Bremen-Nord), im vergangenen Jahr noch Gesamtdritter in Bremen über die doppelte Distanz und damals schnellster Bremer, folgte auf Rang drei in 1:16:36 Stunden.

Bei den Frauen gab es einige Überraschungen. Zum einen den Start von Rebecka Weise-Jung von der LG Bremen-Nord über die Halbmarathon-Strecke. Die Lokalmatadorin wollte sich erst am Morgen entscheiden, wo sie an den Start geht und wählte den Halbmarathon. Die fast sichere Bremer Landesmeisterschaft über die Marathonstrecke ließ sie dagegen sausen - es war ihr einfach zu heiß. Gewinnen konnte sie hier allerdings nicht, der Sieg ging nach Hamburg: Manuela Sporleder vom Hamburger Sportclub siegte in 1:25:18 Stunden von Weise-Jung (1:26:05) und Carolin Schiff (SG Road Runners Buntentor, 1:27:56). "Ich bin froh, dass ich nur den Halbmarathon gelaufen bin. An der Schlachte stand die Hitze, und es war kaum Wind. Den Einbruch auf der langen Strecke hätte ich auf jeden Fall bekommen", begründete die Zweitplatzierte im Ziel noch einmal ihre spontane Entscheidung. Mit ihrer Zeit konnte sie angesichts der Wetterverhältnisse ganz zufrieden sein.

Spontan für die Zehn-Kilometer-Strecke hatte sich auch Weise-Jungs Vereinskamerad Torsten Naue entschieden. Er wusste es schon am Sonnabendnachmittag bei der Anmeldung, dass es "nur die Zehn" werden würden. Der Nordbremer hatte aus dem vergangenen Jahr einen freien Startplatz als Preis mitgebracht und durfte somit wählen. Mit dem dritten Rang über die 10-Kilometer (33:51 min.) war Naue zufrieden – er überquerte die Ziellinie schließlich auch als schnellster Bremer. Denn der Sieg ging an Ingo Muellers (LG Göttingen, 33:28 min.) vor Norbert Schepersgerdes (MTV Lüdingsworth, 33:41 min. Bei den Frauen sorgten Schoami und Sarischa Bieser vom Bremer Leichtathletik Team für eine Überraschung. Die B-Jugendliche Schoami kam nach 38:19 min. als Zweite ins Ziel. Ihre Schwester Sarischa wurde – obwohl noch in der Schülerklasse startend – gute Dritte. Den Sieg holte sich Ilona Pfeiffer von der TSG Dissen (37:59 min.). Der Ex-Werderprofi Marco Bode lief dagegen ein lockeres Rennen. Er begleitete über weite Teile des Rennens eine Gruppe von Asthmatikern auf den 10-Kilometern. Gemeinsam feierten die Teilnehmer ihren ganz persönlichen Sieg.

Am Sonnabend ging es einen ganzen Tag lang ziemlich wissenschaftlich zu im Obergeschoss der Halle vier des AWD Domes. Über 100 Besucher verzeichnete der 1. Marathon-Workshop, ausgerichtet vom Sportärztebund Bremen unter Vorsitz von Dr. Matthias Reick, Präsident des Bremer Leichtathletik Verbandes (BLV). In den diversen Referaten der Fachleute ging es rund ums Laufen im Allgemeinen und um den Marathon beziehungsweise die Vorbereitung darauf im Besonderen. Am Nachmittag stand der Praxisbezug stärker im Vordergrund. Den Workshop-Teilnehmern wurde die Möglichkeit von Schuhtests angeboten, BLV-Lauftrainer Jan Petermann begleitete die testwilligen Läufer in den nahe gelegenen Bürgerpark. Workshop-Leiter Matthias Reick lobte nach Abschluss des Ärztekongresses, der zugleich als Fortbildungsveranstaltung für Sportmediziner und Trainer galt, den gelungenen Mix aus allen Erfahrungsbereichen. "Die Vorträge bauten gut aufeinander auf und waren entsprechend von hoher Qualität. Die Veranstaltung ist angenommen worden, was man bei einer Premiere ja nie vor her weiß. Wir werden so etwas auch im nächsten Jahr im Rahmen des Bremen-Marathon veranstalten." Für das breitere Publikum war die abschließende Expertenrunde zum Thema "Laufen mit der Pulsuhr, Leistungsdiagnostik und Trainingsplanung" gedacht. Rund 50 Interessierte hörten vor der obligatorischen Nudelparty noch Dr. Lothar Rokitzkis (Heppenheim) Vortrag zu und erfuhren beispielsweise, dass bei der Trainingsplanung für einen Marathon nicht nur die Reaktion des Herz-Kreislauf-Systems beachtet werden muss, sondern auch der Muskelapparat des Körpers. Bei der Diagnostik wurden den Zuhörern Laktattests empfohlen, gleichzeitig mussten die sechs Ärzte auf dem Podium aber auch zugeben, dass diese nicht ganz billig sind. Schlussendlich wurde den Laufbegeisterten noch ein Tipp in Sachen Pulsuhr mit auf den Weg gegeben. Bei aller Kontrolle, die dadurch gegeben ist – der eigentliche Sinn des Laufens, nämlich positive Erlebnisse zu haben, sollte dabei nicht in den Hintergrund gedrängt werden.

Nahezu verdoppelt im Vergleich zum vergangenen Jahr hat sich die Teilnehmerzahl beim Kinderlauf am Sonnabend Nachmittag auf der Bürgerweide: 293 angemeldete Kinder absolvierten die rund ein Kilometer lange Runde auf dem Kopfsteinpflaster und wurden dafür im Ziel nicht nur mit Wasser und Obst sondern auch alle mit einer Silbermedaille sowie einem Jo-Jo ausgezeichnet. Den stärksten Schulverbund, der mit einem Geldpreis belohnt wurde, stellte die Schule Carl-Schurz-Straße aus Schwachhausen. Auf den Startschuss mussten die ungeduldigen Kinder gegen 15 Uhr einige Minuten länger warten als geplant – Passanten hatten die Absperrgitter auf der Strecke verstellt.

Es war also viel los auf der Bürgerweide, im AWD-Dome und auf der Strecke. Nach einem gelungenen 2. swb-Marathon gilt die Konzentration der Organisatoren nun nur einer einzigen Sache: dem 3. swb-Marathon im kommenden Jahr.

Auf ein Neues in 2007